Kunstsammlung
Berühmte Epilepsiekranke in der darstellenden Kunst (II)
"Alors il poussait une plainte dont l’accent déchirant vibre encore dans mon oreille, et la convulsion le soulevait." ("Dann stieß er einen Klageschrei aus, dessen herzzerreissender Ton immer noch in meinem Ohr gellt, und der Krampf warf ihn empor.")
Diese Schilderung, die Flaubert’s Zeitgenosse und großer Bewunderer Maxime Du Camp gibt, ist keineswegs die einzige Beschreibung eines epileptischen Geschehens bei dem großen französischen Romancier Gustave Flaubert (1821 – 1880). Das "Nervenleiden" des Dichters war damals von mehreren Ärzten als epileptisch erkannt worden – nicht zuletzt auch vom Vater des Dichters, Dr. Achille Cleophas Flaubert, einem erfahrenen und bei Patienten und Kollegen gleichermaßen beliebten Arzt.
Es gibt zahlreiche zeitgenössische künst- lerische Darstellungen Flaubert’s; einige der bekanntesten stammen von Eugčne Giraud (1806 – 1881); die schon in der obigen Abbildung zu ahnende Vorliebe des Malers für karikaturistische Dar- stellungen wird im nebenstehenden Bild noch viel deutlicher.
Einer der bekanntesten französischen Psychiater und Epileptolgen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, Jean-Baptiste Gélineau, und sein Kollege und Zeitgenosse, der italienische Gerichtsmediziner, Psychiater und Anthropologe Cesare Lombroso, sowie der etwas jüngere schweizerische Diplomat und Historiker Carl Jacob Burckhardt (einer der bedeutendsten Richelieu-Biographen) sind sich in ihren Schriften einig: Der französische Staats- und Kirchenmann Armand Jean du Plessis, Duc de Richelieu, gen. Kardinal Richelieu (1585 – 1642), hatte an einer Epilepsie gelitten (die er übrigens mit einer Vielzahl von verschiedenen Duft-Essenzen [vergeblich] zu behandeln versuchte). Auf der wohl berühmtesten Darstellung, die den selbstbewussten und intriganten Kardinal als machtvolle Persönlichkeit zeigt, nämlich auf dem von Philippe Champaigne um 1637 gemalten farbenfrohen Gemälde, finden sich allerdings keinerlei Hinweise auf eine chronische Erkrankung oder körperliche Schwäche.
Im Krankenhaus im südfranzösischen Arles ist in der Krankenakte "van Gogh,Vincent" eine wichtige Diagnose festgehalten: ‚Petit mal intellectuel’. Diese Krankheitsbezeichnung stammt von dem französischen Epileptologen Falret und bedeutet nach heutigem epileptologischen Sprachgebrauch so viel wie ‚Fokale Epilepsie mit partial-komplexen Anfällen’. Entsprechend dieser Diagnose wurde van Gogh mit dem damals einzigen zur Verfügung stehenden Antiepileptikum, mit Brom-Kalium, behandelt. Der große niederländische Maler Vincent van Gogh (1853 – 1890) hat sich auf zahlreichen Gemälden selbst dargestellt. Natürlich lassen diese Selbstportraits keine Rückschlüsse auf ein bestehendes Anfallsleiden zu – aber möglicherweise doch auf leidvolle Lebenserfahrungen, die der Maler nicht zuletzt vor dem Hintergrund seiner Krankheiten (auch und gerade seiner Epilepsie) gemacht hat. "La tristesse durera toujours" ("Die Traurigkeit wird immer bleiben") waren seine letzten Worte vor seinem durch eine suizidale Handlung herbeigeführten Tod.













