Kunstsammlung
Berühmte Epilepsiekranke in der darstellenden Kunst (III)
M. Liebermann: Dostojewskij als Moses, Wandmalerei, 1896.
In der Reihe der berühmten Epilepsiekranken ist Fjodor Michailowitsch Dostojewskij (1821 – 1880) wohl der Berühmteste. Diese Position gebührt ihm zum einen auf Grund seiner Bedeutung als einer der größten Schriftsteller des 19. Jahrhunderts, zum anderen auf Grund der Tatsache, dass wir sehr genaue Schilderungen seiner häufigen epileptischen Anfälle besitzen. Diese detaillierten Anfalls- beschreibungen verdanken wir einerseits den Tagebuch- aufzeichnungen seiner zweiten Ehefrau, Anna Grigorjewna Dostojewskaja, andererseits den minutiös, fast sezierend beschriebenen Anfallssymptomen, mit denen Dostojewskij selbst – in der Art einer autobiographischen Wiedergabe eigenen Erlebens – mehrere seiner fiktiven epilepsiekranken Romanfiguren ausstattet.
M. Beckmann: Dostojewskij, Radierung, 1921
Künstlerische Darstellungen Dostojewskijs, die zu seinen Lebzeiten angefertigt wurden, sind nicht sehr häufig. Immerhin gibt es einige Fotographien von ihm, die nicht wenigen Künstlern in späteren Jahren als Vorlagen dienten. (Wohl vor allem aus diesem Grund ähneln sich viele posthume Dostojewskij-Bilder.) Nach dem Tod des großen russischen Dichters entstanden allein in den letzten Jahren des 19. Jahrhunderts und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts über 1500 Darstellungen, wobei sich unter den "Portraitisten" so bedeutende Namen wie Max Liebermann, Edvard Munch, Max Ernst, und Max Beckmann finden.
Max Ernst: Das Rendezvous der Freunde,1922. (Der Gruppe der Dadaisten [u.a. H. Arp, A. Breton, P. Eluard] sind als Genre-fremde Persönlichkeiten F. M. Dostojewskij und Raffael [rechts oberhalb von Dostojewskij, mit Mütze] zugeordnet.)
Die Bilder, die wir von Dostojewskij besitzen – dies gilt sowohl für die Fotographien als auch die künstlerischen Darstellungen – zeigen in aller Regel einen sehr ernsten Mann, dessen meist umschattete Augen oft in eine unbestimmte Ferne gerichtet sind und von Nachdenklichkeit, Reflexion und Verinnerlichung zeugen. In wieweit die recht aktive Epilepsie Dostojewskijs seine Persönlichkeit geprägt hat, lässt sich allenfalls vermuten. Immerhin hat sie seinen Alltag, seine schriftstellerische Tätigkeit so sehr beeinflusst, dass er mehreren Hauptfiguren seiner Romane eine Epilepsie verliehen hat – unter ihnen sind Fürst Myschkin, in "Der Idiot", und Smerdjakow, in "Die Brüder Karamasow", die bekanntesten und bedeutsamsten. Viele Biographen sind der Ansicht, dass das dichterische Werk Dostojewskijs ohne seine Epilepsie wohl ganz anders ausgefallen wäre. Reinhold Schneider, deutscher Schriftsteller und katholischer Denker in der Epoche des zweiten Weltkriegs, spricht in diesem Zusammenhang sogar – bezogen auf die autobiographische Figur des Fürsten Myschkin – vom ‚furchtbaren Gnadengeschenk der Epilepsie".
Max Ernst, Detail
(Auf dem rechten Bein Dostojewskij's, der mit über- dimensioniertem Kopf dargestellt ist, hat sich Max Ernst selbst platziert.)













