Kunstsammlung
Little Boxes
In ihrem Kommentar zu dem Bild lässt die Künstlerin, die der Epilepsie-Thematik in ihrem eigenen sozialen Umfeld begegnet ist, den Betroffenen selbst zu Wort kommen: "The point of view is me looking at myself. Looking outward, I see the how having epilepsy sometimes shapes my day. Looking inward, I can consider the spectrum of emotions associated with having this condition. Doing this helps me understand that having epilepsy is both an inconvenience and a gift." ("Mein Standpunkt ist, auf mich selbst zu schauen: Blicke ich nach außen, so sehe ich, wie der Umgang mit meiner Epilepsie mitunter meinen Tag bestimmt. Schaue ich nach innen, so kann ich das Spektrum der Gefühle wahrnehmen, die mit dieser Krankheitssituation verknüpft sind. Diese Sichtweise hilft mir zu verstehen, dass Epilepsie beides sein kann: eine Unannehmlichkeit und ein Geschenk.")
Mit dieser Aussage wird man an eine Bemerkung des Schriftstellers, Dichters und katholischen Denkers Reinhold Schneider (1903-1958) erinnert, der im Zusammenhang mit der Epilepsie des Fürsten Myschkin (autobiographische Figur in Dostojewskij’s Roman ‚Der Idiot’) von einem ‚furchtbaren Gnadengeschenk’ spricht.
Auch der ‚neutrale’, nicht-betroffene Betrachter dieser Lithographie könnte zu einer zweifachen Sichtweise, zu einer ‚Doppel-Deutung’ kommen: Stehen die Kästchen (‚Little boxes’) möglicherweise für einzelne Lebensbereiche, die zwar durch ihre ungleichen Größen voneinander unterschieden sind, aber durch ihre aufgereihte Präsentation und ihre identische Einfärbung doch einem gemeinsamen Einfluss oder gar einem Diktat (nämlich dem der Epilepsie) unterworfen sind?
Oder aber (mit den Worten eines fiktiven Betroffenen): "Ich habe zwar eine mein Leben begleitende Epilepsie (einheitliche Form und Einfärbung der ‚boxes’!), aber ich habe dieses Leben geordnet und meine individuellen Bereiche strukturiert, die alle mehr oder weniger (unterschiedliche Größen der ‚boxes’!) von der Epilepsie beeinflusst werden; ich habe trotz meiner Krankheit Linie in mein Leben gebracht!"
(Es versteht sich von selbst, dass die von der Künstlerin gewählte Darstellungsform – wie jedes Kunstwerk – auch für ganz andere Deutungen offen ist.)












