Kunstsammlung
"Desitin for Pioneer"
Der Hamburger Künstler Petrus Wandrey rief 1978 mit der Enthüllung seines Werkes „Science and Beyond" die Digitalismus-Bewegung ins Leben. Sie erhebt die Sichtweise des Computer-Zeitalters zum gestalterischen Prinzip.
Der Bildschirmpixel dient Wandrey seither als Mittel, um eine konstruktive Allianz von Kunst und Technik zu verwirklichen. Zu dem Werk „Desitin for Pioneer" und der hierin verwirklichten gestalterischen Zielsetzung äußert sich der Künstler wie folgt:
"Die Gesamtdarstellung ist zukunftsbezogen und vermittelt das Interesse und die Begeisterung zur Hochtechnologie. Der Gedanke, mit einem Abstrakten und bildhaften Zeichensystem eine international verständliche Kommunikationsform zu finden, wird zwar auch in Zukunft reizvoll sein, doch immer an dem umfangreichen Wortschatz scheitern, der im Alltag untereinander notwendig ist. Hier beginnt der Weg und die Chance der Informationszeichen, die zusammen mit den Schriftzeichen bedeutsam sind für das Miteinander der Menschheit. Anders als die gewachsene Schrift sind die Produkte der Zivilisation - sie entstehen, sobald sie gebraucht werden.
Die Desitin Arzneimittel GmbH hat dies seit ihrer Gründung bewiesen.
Die Motive sind Abwandlungen der Informationsplatte an der Pioneer 10-Raumsonde der NASA (immer noch im Orbit auf Reisen)."
Informationsbildplatte der Pioneer 10-Raumsonde der Nasa
Die kosmischen Grußbotschaften auf den 1972 gestarteten Jupiter-Sonden Pioneer 10 und 11 sowie auf den beiden jetzt gestarteten „Voyager"-Sonden werden mit Sicherheit nicht in den nächsten 44.000 Jahren gelesen werden- solange dauert es nämlich, bis die Raumroboter den nächsten Fixstern passieren.
Das menschliche Paar wurde gezeichnet von Linda Salzmann-Sagan, Carl Sagans damaliger Ehefrau. Es steht vor der Raumsonde Pioneer 10, um so die Körpergröße des Menschen darzustellen. Links von ihnen befindet sich die „Pulsarkarte", die sich Frank Drake ausdachte, um den Bestimmungsort unseres Sonnensystems anhand der Entfernungen zu 14 verschiedenen Pulsaren zu identifizieren.
Die proportionale Länge der jeweiligen Linien steht für ihre Entfernung von dem zentralen Punkt, der Sonne. Entlang jeder Linie steht die Pulsarperiode in binären Zahlen, wobei die Strahlung des Wasserstoffatoms als eine universelle Einheit für Zeit und Länge verwendet wurde. Um den Empfängern der Botschaft zu zeigen, dass die Basisstrahlung der Wasserstofflinie gleichzeitig der universelle Zeitmesser und Zollstock ist, fügte man eine graphische Darstellung des Wasserstoffatoms über der Pulsarkarte hinzu.
Auf dem unteren Rand der Karte fügte Carl Sagan die Sonne und die Planeten hinzu, deren Durchmesser in dem Vielfachen von Wasserstoffwellenlängen angegeben wurden. Auf der Flugbahn, die vom dritten Planeten ausgeht, befindet sich die schematische Darstellung von Pioneer 10. Man sieht, wie sich die Raumsonde zwischen dem größten und dem geringelten Planeten emporhebt.
Die Pioneer 10-Sonde
Die Pioneer 10-Sonde wurde am 2. März 1972 gestartet, um die äußeren Planeten zu erforschen und anschließend das Sonnensystem mit einer Botschaft an Bord zu verlassen. Sie schoss über 300 Bilder vom Jupiter, als sie im Dezember 1973 in 130.000 km Entfernung an ihm vorbeiflog. Anschließend nutzte die Sonde Jupiters enormes Gravitationsfeld, um mit 54.000 km/h die Anziehungskraft der Sonne zu überwinden.
Die 30 Jahre alte Sonde lieferte bis zum offiziellen Ende ihrer Mission am 31. März 1997 wichtige wissenschaftliche Daten, die unsere Erkenntnisse über den Rand des Sonnensystems erweiterten. So wurde sie zur Erforschung der Heliosphäre eingesetzt, von der man früher annahm, dass sie nicht weiter als bis zur Jupiterumlaufbahn reichen würde. Dank der Pioneer-Sonde weiß man inzwischen, dass die Reichweite des Sonnenwindes weit über die Pluto-Umlaufbahn hinausgeht. Nun wird die Sonde lediglich durch ein Team von Freiwilligen betreut.
Nach der Beendigung ihrer glorreichen wissenschaftlichen Karriere, wird die Pioneer-Sonde Millionen, wenn nicht gar Milliarden von Jahren im galaktischen Orbit umherirren. Mit der Botschaft einer wahrscheinlich längst untergegangenen Spezies, die sich Menschen nannte, wird sie die unendlichen Weiten des Alls durchstreifen, bis sie von einem Stern eingefangen und zu seinem Begleiter wird oder in ihm verglüht. Es ist wenig wahrscheinlich, dass die Sonde von einer außerirdischen Zivilisation entdeckt wird. Doch sie wird zum Beweis für die Existenz einer intelligenten Spezies werden, die in ihrer unendlichen Wissbegierde den Schritt in den interstellaren Raum wagte.
In galaktischen Maßstäben befindet sich die Pioneer-Sonde noch immer vor unserer Tür - erst 80 AE (= Ångströmeinheit, astronomische Einheit, rund 12.000.000.000 km) von der Erde entfernt. Um diese Strecke jedoch mit einem Auto, das sich mit 100 km/h bewegt, zu bewältigen, würde man über 13.500 Jahre brauchen!
Pioneer 10 entfernt sich mit einer konstanten Geschwindigkeit von 12,24 km/sek oder 2,58 AE/Jahr von der Erde weg. Bis die Sonde eine Distanz von 1,5 Parsec (309.000 AE oder 4,88 Lichtjahre) in 126.000 Jahren erreicht hat, wird die Gravitation der Sonne sich auf die Sonde einwirken. Danach wird die Pioneer 10-Sonde unter dem Einfluss derjenigen Sternen stehen, an denen sie vorbeifliegen wird.
Auf ihrer wahrscheinlich nie endenden Reise wird Pioneer mehrere Sterne passieren. Erst in rund 250.000 Jahren „begegnet" die Sonde ihrem ersten Stern, Ross 248, einem roten Zwergstern der 11. Größenordnung im Sternbild Stier, in 10,3 Lichtjahren Entfernung. Die angepeilte Richtung, die Pioneer hält, ist Aldebaran oder Alpha Tau, ein Roter Riese mit dem 36-fachen Sonnendurchmesser in ca. 68 Lichtjahren Entfernung, den sie in etwa 2 Millionen Jahren erreichen wird.
Gute Reise Pioneer!
Meldung vom 08.02.2001
"Pioneer 10 meldet sich nicht mehr -
Raumsonde verschwindet in den unendlichen Weiten.
Die NASA hat den Kontakt zu Pioneer 10 verloren, einer ihrer ältesten und erfolgreichsten Raumsonden. Bereits im August 2000 sei die Datenübertragung abgebrochen, gab jetzt der Internet-Dienst SPACE bekannt. Die Hoffnungen, wieder Kontakt zur Sonde zu erhalten, sind offenbar sehr gering.
Pioneer 10 ist am 2. März 1972 gestartet und hat sich seitdem 11 Milliarden Kilometer von der Erde entfernt. Damit ist er der am tiefsten in den Weltraum vorgedrungene künstliche Raumkörper. NASA-Ingenieure hatten die Sonde ursprünglich für eine Mission zum Jupiter gebaut. Nach einem erfolgreichen Vorbeiflug an dem Planeten im Dezember 1973 erwies sich Pioneer jedoch als sehr langlebig. Sie lieferte bis zuletzt wissenschaftliche Daten vom Rande unseres Sonnensystems.
Im Juli 2000 hatte die NASA versucht, Pioneer 10 ein wenig zu drehen, um ihre Antennen präziser in Richtung Erde auszurichten. Der Versuch ist laut SPACE gescheitert. Zwar konnten im August 2000 noch einmal Signale von der Sonde aufgefangen werden, aber eine Datenübertragung war nicht möglich.
Offiziell wurde die Pioneer-Mission 1997 beendet. Seitdem hält ein Team von Freiwilligen den Kontakt zur Sonde aufrecht."
Axel Tillemans
Quelle: Bild der Wissenschaft
Meldung vom 03.05.2001
"Pioneer lebt.
Der NASA ist es am vergangen Samstag gelungen, den Kontakt zu ihrer verschollenen Raumsonde Pioneer 10 wiederherzustellen. Wie die NASA berichtet, gelang der Kontakt bei einem Funktionstest mit einem in der Nähe von Madrid positionierten Radioteleskop.
Die Verbindung zu Pioneer 10 war im August 2000 nach einem von der Erde aus veranlassten Drehmanöver abgebrochen. „Seit letzten Sommer haben wir vergebens nach einem Signal von Pioneer 10 gesucht", sagte Projektleiter Larry Lasher. „Wir überlegten uns deshalb: Wenn wir wollen, dass Pioneer 10 mit uns redet, müssen wir vielleicht zuerst mit ihr reden." Gesagt, getan: Nach einer Laufzeit von knapp 22 Stunden erwiderte Pioneer 10 das Signal."
Axel Tillemans
Quelle: Bild der Wissenschaft
Bon mot am Rande
Die Informationsplatte von Pioneer 10 sorgte im puritanisch-verklemmten Amerika für einiges Aufsehen und Empörung, die teilweise kuriose Ausmaße erreichten:
In Zeitungen wurden Lesebriefe veröffentlicht, in denen sich die Leser Sorgen um das Ansehen der menschlichen Zivilisation machten, da ihre Botschafter nackt zum Kontakt mit Außerirdischen gingen. Die in der „Los Angeles Times“ veröffentliche Meinung eines Lesers ging sogar soweit, auf Geschlechtsorgane des menschlichen Paares ganz zu verzichten und statt dessen einen Storch mit Baby darzustellen. Um unseren Sternennachbarn unseren Fortschritt zu zeigen, sollten wir die Bilder vom Weihnachtsmann, vom Osterhasen und der guten Märchenfee schicken.
Frauenorganisationen beschwerten sich, dass der weiblichen Person im Vergleich zu ihrem männlichen Partner Genitalien fehlten. Außerdem wirke sie zu passiv, bemängelten Frauenrechtlerinnen. Ein Mann äußerte den Verdacht, Außerirdische könnten die erhobene rechte Hand des Mannes als Hitlergruß interpretieren. Eine katholische Einrichtung wies darauf hin, dass man alles bis auf Gott dargestellt habe. Die Schreiber schlugen daher vor, statt Menschen zwei zum Gebet gefaltete Hände darzustellen. Und zuletzt schlug jemand vor, statt der Nachrichtenplatte mit den eingeätzten Menschen zwei echte gefrorene Leichen beizulegen. Die NASA lehnte aus Gründen des Übergewichts ab.
Nicht minder bizarre Vorschläge und Kommentare kursieren auch heute noch, 30 Jahre später in deutschsprachigen Foren. Angefangen mit dem Gespött über die geschlechtsspezifischen Merkmale des Menschenpaares auf der Platte, über die Sorge, dass die Menschheit ihre Position den außerirdischen Invasoren verraten habe, bis hin zu den wildesten Verschwörungstheorien.
Petrus Wandrey













